Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den
Mut alle Küsten aus den Augen zu verlieren.

Samstag, 17. April 2010

Guatemala und so

Ohja ich bin in tiefe Ungnade gefallen und habe schon seit fast 2 Monaten nichts von mir hoeren lassen. Ich bitte um Verzeihung.

In den vergangenen Monaten ist natuerlich mal wieder viel passiert. Anfang Maerz bin ich gemeinsam mit meiner Gastfamilie nach Guanacaste (man sagt die schoenste gegend was Straende angeht) gefahren. Jaehrlich trifft sich die Familie und faehrt gemeinsam an einen Strand. Und dieses Jahr mit deutschen Anhang! Die Hotelanlage war wunderschoen und die Gastcousine auch. Allerdings musste ich ihren verfuehrerischen Blicken, fast Anstarren, aus ihren 17 jahre alten Augen widerstehen, denn Familie bleibt Familie. Dafuer habe ich mich mit ihrem Vater umso besser verstanden. Die ganze Familie war etwas geteilt. Da gab es die Geschwister meines Gastvaters: ruhig, kein Alkohol und im Schatten sitzen. Und dann gibt es die angeheiratete Verwandschaft: Bier, lachend und mit Spass bei der Sache. Dazu gehoert dann auch der Vater meiner Gastcousine. Mit nur geringfuegigen Zoegern habe ich die 2 Tage dann mit diesem Teil der Verwandschaft verbracht. Wirklich tolle Menschen und der Beweis, dass meine Gastfamilie wirklich eine ruhige Fraktion ist.
Gemeinsam haben wir Bier getrunken, uns gegenseitig ins Wasser geworfen und Karten gespielt. Genauso wie ich es mir eben vorgestellt habe. Von diesen guten Menschen wurde ich dann die Woche darauf zum Fussballspielen eingeladen. Morgens um 8 Uhr Sonntags ging es los. Wir sind auf eine Art Campingplatz gefahren wo es 2 kleine Fussballfelder gibt. 1 1/2 Stunden Fussball spielen und rumalbern macht natuerlich durstig! Die dritte Halbzeit haben wir dann im "Biergarten" verbracht und als ich dann um 12 Uhr 6 Bier in mir hatte ging es auf den Rueckweg. Leider hat Pito (der coole Gastonkel) es sich nicht nehmen lassen, sich wieder hinters Steuer zu setzen. Es nichts passiert, aber das passiert hier wirklich sehr sehr oft. Es wird getrunken und gefahren. Vor wenigen Wochen wurde sogar die Promillegrenze von 0,5% auf 0,75% heraufgesetzt! Wie der Peter immer so schoen sagt: in diesem Land darf man nicht immer nach Gruenden fragen. Ich hatte auf jeden Fall Spass an diesem Sonntag und ein paar gute Gespraeche. Das was ich so ein wenig vermisst habe die Zeit davor.
Die Woche darauf ging es schon fuer 10 Tage nach Guatemala. Mit mir kamen Benita und Regina, zwei Freiwillige aus der Gruppe. Guatemala ist ein sehr schoenes Land zum Reisen und im Vergleich zu Costa Rica auch sehr billig, was man natuerlich immer in die Reiseplanung einbeziehen muss. Unsere Tour fuehrte uns erst an einen wunderschoenen See namens Atitlán. Umsaeumt von Vulkanen und wunderschoener Natur. Danach ging es nach Xela, einer gemuetlichen Stadt auch genannt Quetzaltenango und darauf nach Antigua. Antigua ist in der lateinamerikanischen Welt bekannt fuer die riesigen Osterprozessionen und wir hatten das Glueck sie mitzuerleben. Aus der ganzen Welt kam eine Unmenge von Menschen nach Antigua um dabei zu sein. Sehr impulsant die Prozessionen anzusehen, auch wenn ich fuer kirchliches Klim Klam normal keine Augen und/oder Verstaendnis habe. Die Sicherheitslage in Guatemala ist wohl etwas anders als in Costa Rica. Einen Sicherheitsmann in einer Apotheke oder nachts im Supermarkt mit einer Pumpgun anzutreffen, ist nun nichts neues mehr fuer mich. Aber normale Polizisten in der Stadt mit Sturmgewehren rumlaufen zu sehen, ist nochmal etwas ganz anderes. In Xela waren Benita und ich in einer Bar, wo wirklich laut Musik gespielt wurde. Dann kam die Polizei. 2 Kalaschnikovs huepften in der Hand von 2 Polizisten von einem Pick-Up, alsob es um mehr ginge als nur zu laute Musik. Nicht schoen anzusehen sowas und wieder mal ein Grund, die Zustaende in Deutschland sich ins Gedaechtnis zu rufen. Was mich zu einem anderen Zustand fuehrt. In Costa Rica hat jeder mindestens 213124543 Freunde. Wenn man jemanden kennt, ist er ein Freund. Ein Bekannter ist auch ein Freund. In Deutschland trifft man, wenn ich mal als Deutscher das Wort ergreifen darf, eher eine Auswahl bevor man jemanden als Freund bezeichnet als hier. Daher kommt es wohl auch, dass wir als Deutsche im Ausland als kuehl und unsympathisch empfunden werden. Das sind wir nicht. Fuer uns ist ein Freund eben ein Freund und ein Bekannter ein Bekannter. Und einem Freund schenken wir die Aufmerksamkeit, die er verdient. Ich will nicht sagen dass dies oder das falsch ist, ich will nur mal den Unterschied klarmachen. "Freunde" sind hier in Costa Rica naemlich mitunter sehr unzuverlaessig. Was die Puenktlichkeit angeht sowieso, aber darueber hinaus auch was die Zuverlaessigkeit generell angeht. So ist es schwer wirkliche Freunde hier zu finden, fuer mich zumindestens.
Aus Guatemala kamen wir wieder gesund zurueck und es war wiedermal eine schoene Erfahrung, ein anderes Land hier in der Gegend etwas kennen zu lernen. Es macht Spass die Unterschiede in der Sprache herauszufinden und damit zu spielen. Spanisch ist eigentlich kaum noch ein Thema fuer mich, ich denke das ist ein gutes Zeichen. Auf die "wow, du sprichst aber gut spanisch" darf man leider nicht hoeren, denn das bekommt man seit dem ersten tag hier zu hoeren.

Meine Arbeit ist weiterhin toll, wegen den Menschen mit denen ich arbeite. Ich bin sogar soweit darueber nachzudenken, wenn ich frei habe trotzdem ins Projekt zu gehen und Don Omar zu helfen. Der arme Mann Arbeit 10 Stunden am Tag und ist heilfroh ueber unsere Hilfe. Selbst wenn es dann nur 1 Tag in der Woche waere.

Ich schaue auf den Kalender und merke, dass es heute noch genau 4 Monate sind. Zeit darueber nachzudenken, was ich gerne noch machen/erreichen moechte. Dazu gehoeren nochmal Tanzstunden, Wildwasserrafting wofuer Costa Rica bekannt ist, diesen und jenen Strand in Costa Rica und auch eine Reise nach Kolumbien steht auf der Liste.

Ich berichte was ich davon verwirklichen kann. Ihr koennt also weiterhin gespannt sein!

Einen lieben Gruss aus Costa Rica
Christian

1 Kommentare:

  1. Hallo Christian,

    Promillegrenzen nach oben zu korrigieren ist ja mal wirklich etwas sehr Ungewöhnliches. Zum Thema Freunde: in Deutschland (da bin ich sehr sicher) warten Freunde auf Deine Rückkehr. Es dauert ja auch nicht mehr so lange bis August. Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, wie es nach Deiner Rückkehr weiter geht? Vermutlich musst Du Dich auch erst wieder eingewöhnen..........aber dann ruft der Ernst des Lebens!

    Ganz viele Grüsse vom Versicherungsbüro in Mainz

    Dirk Wilhelm
    Clemens Märzhäuser
    Christine Emerich
    Sigrun Wilkening
    Stephan Degenkolbe

    AntwortenLöschen